Letzte Worte zum Dschungelcamp 2017

So, alle Messen sind gesungen, der Dschungelkönig steht fest und die große Wiedersehensshow im Baumhaus haben wir auch geschafft. Jetzt bleiben mir nur ein paar Worte als abschließende Betrachtung zur 11. Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“.

Habt ihr die große Reunion Show am Sonntag gesehen? Dort hat es RTL tatsächlich geschafft, mehr Stimmung und „Kasalla“ zu erzeugen als in den 16 Tagen zuvor im Dschungel. Leider drehte sich alles nur um Hanka gegen Alle und Alle gegen Hanka, wobei sich hier besonders Fräulein Menke hervortat. Wahrscheinlich ist ihr sauer aufgestoßen, wie wenig ihr der Dschungel gebracht hat (an Aufmerksamkeit und Publicity) und wie sehr Hanka davon profitiert hat und noch profitieren wird. Denn wie nun durchsickerte, wird Madame Rackwitz nicht nur ein neues Buch herausbringen sondern auch die kommende Verhaltenstherapie von RTL medial begleiten lassen, wie das im Neudeutsch so schön heißt. Um es auf gut Altdeutsch zu sagen: es gibt Cash und die Haushaltskasse wird etwas aufgebessert, denn das Leben in einem Wasserschloss bei Mücheln in Sachsen-Anhalt bezahlt man auch nicht mit dem Hartz IV Satz. Und wieviele Bücher und eigene TV Shows stehen bei Fräulein Menke in Zukunft an? Genau.

Und für alle die Leute, die jetzt auf Twitter und Facebook ein Riesenfass aufmachen, weil … alles nur gespielt, alles aus Berechnung, alles Fake und blablabla – Ihr fallt bestimmt aus allen Wolken, wenn ihr feststellt, dass dort keiner in den Dschungel geht, Maden und Kakerlaken frisst, sich beim Gang aufs Plumsklo filmen lässt, nur um euch zu unterhalten oder „mal eine ganz andere Erfahrung zu machen“. Die lassen sich die 2 Wochen oftmals besser bezahlen, als was ihr in einem ganzen Jahr auf eurem Konto verbuchen werdet. Letztlich spielen dort alle eine Rolle und verfolgen eine Strategie, um Aufmerksamkeit zu erringen. Manche sind darin gut und viele sind darin weniger gut. Hanka Rackwitz gehört zu den wenigen Promis, die das Spiel verstanden haben.

Ach ja, irgendwann ging es dann auch noch ein wenig um den eigentlichen Helden des Abends: den Dschungelkönig.
Marc Terenzi machte da weiter, wo er Stunden zuvor im Dschungel aufgehört hatte. Als harm- und belangloser Gewinner einer TV Show, die bereits heute keinen mehr interessiert. Sein Sieg (in der Endabstimmung ca. 75% der Stimmen) war symptomatisch für die letzten Jahre. Es gewinnt immer der, der so wenig wie möglich aneckt, sich mit jedem gut versteht (La Familia Grande) und sich in Prüfungen, Schatzsuchen usw. als Teamplayer betätigt. Kurz: der Langweiler. Seine Antrittsrede „Keine Ähnunk, ick bin spracklohs“ fasste alles sehr griffig zusammen.
RTL muss einfach mal was tun und sich nicht auf den Lorbeeren der letzten Jahre ausruhen. Vor allem muss mal wieder mehr aufs Casting geachtet werden. Bei aller Kritik und Nerverei kann RTL, können die Zuschauer froh über eine Hanka sein, die für 90% der Stimmung im Camp verantwortlich war. Wofür hat man Nicole Mieth jetzt nochmal eine Gage bezahlt? Leute wie Florian Wess und Honey waren selbst nach IBES Maßstäben keine „Promis“. Bei der Kategorie Z ist eben Schluss. Weiter geht es nicht. Die Leute wollen keine absoluten Nobodys sehen, sondern ansatzweise bekannte Gesichter. Oder solche, die mal bekannt waren (das sind die Besten). Dazu neue Elemente und Regeln in die angestaubte Show eingebaut. Das mit der Trennung in zwei Camps ist ja schon ein Schritt in die richtige Richtung, aber das Experiment wird ja genau dann beendet, wenn es anfängt spannend zu werden. RTL muss es schaffen, wieder Spannung innerhalb der Gruppe und unter den Teilnehmern zu erzeugen. Sonst ist wieder La Familia Grande und alle haben sich lieb. Dann schafft es einer wie Thomas Häßler auf Platz 4 und das, wo er erst am letzten Tag einen vollständigen Satz in die Kamera spricht bzw. erst aktiv wird, wenn man ihm die Zichten nimmt. Ein Markus Majowski spielt entgegen seiner ihm zugedachten Rolle den Dschungel-Buddha und kann erst durch eine geschickte Videocollage seitens RTL zum Ausrasten gebracht werden („kriegst ne Anzeige“). Honeys Spiel war zu durchsichtig und ist vom Zuschauer auch nicht weiter belohnt worden. Eine Gina-Lisa war eigentlich als Skandalnudel und Sexbombe gecastet worden, hat aber aus so vielen Gründen ein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis, dass man sie noch Jahre im Dschungel hätte filmen können, ohne dass etwas Nennenswertes passiert wäre. Dem Rest fehlen Personality und schauspielerische Fähigkeiten, um sich erfolgreich zu behaupten. Stattdessen wird sich durchlaviert und darauf gewartet, dass man halt möglichst weit kommt. Das mag für die Eingesperrten dort okay sein, für den Zuschauer ist es das nicht. Er erwartet einen neuzeitlichen Circus Maximus. Kader Loths Vorschlag, den uneinsichtigen Lümmel Honey nach seinem Prüfungsversagen zu töten, ging ja schon in die richtige Richtung. Ach ja, das Kader Loth. Eigentlich war das alte Trash TV Schlachtross ja sehr unterhaltsam. Bis sie für sich festlegte, dass sie jetzt genug für ihr Geld getan hätte und ab da an die Rolle des Camp-Orakels eingenommen hatte. Dschungel-Trantüte ade, willkommen scharfe Zunge und Beobachterin. Soviel kaltschnäuzigen Realismus kann der gewöhnliche IBES Fan nicht verarbeiten. Mit soviel Metaebene und Löchern in der vierten Wand kann der nicht umgehen. Für ihn sind das Opfer, über die er wie im Alten Rom die Imperatoren den Daumen senken kann und damit über Wohl und Wehe der Gladiatoren entscheiden kann. Dem ein oder anderen dämmert es jetzt aber, dass die Machtverhältnisse vielleicht doch nicht mehr in dieser Art und Weise ausgeprägt sind. Vielleicht, oh Schreck, spielen und RTL und diese Dschungelcamper nur ein gut gemachtes Theaterstück vor. Hier droht ein großer Glaubwürdigkeitsverlust, wenn man bei Staffel 12 den Kurs beibehält, anstatt gegenzusteuern. 7 Millionen Zuschauer im Finale (plus die unbekannte Anzahl der TV NOW Plus Zuschauer) sind immer noch ein großer Erfolg für den DSDS Sender, aber wir hatten auch schon bessere Zahlen und mehr Aufmerksamkeit in den Medien. Das Format ist zur Routine geworden und der Authentizität flöten gegangen.

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